Geniale Ideen sind deshalb erfolgreich, weil sie einfach sind: Zur Verbesserung der Verständigung zwischen Fluglehrer und Schüler hatte Anders J. Anderson, schwedischer Chefkonstrukteur des Bücker Flugzeugbaus in Rangsdorf bei Berlin 1938 eine solche einfache Idee. Statt –wie bisher üblich- Lehrer und Schüler in die offenen Cockpits der Schul-Doppeldecker hintereinander zu setzen, entwarf er mit der Bü 181 „Bestmann“ ein ganz neues Konzept. Schüler und Lehrer saßen in der geschlossenen Kanzel nebeneinander und konnten sich ohne komplizierte Handzeichen-Kommunikationsversuche ganz einfach miteinander unterhalten. Das war ein kleiner Schritt für den Konstrukteur, aber ein Riesensprung für die Ausbildung neuer Piloten.
Das war neu und überzeugend. So überzeugend, daß die Bestmann ab 1939 zum neuen Standard-Schulflugzeug der deutschen Luftwaffe bestimmt wurde, obwohl die Bestmann von Carl Clemens Bücker ohne offiziellen Auftrag auf eigene Faust entwickelt worden war, und das damalige Reichsluftfahrtministerium (RLM) vorher stets anderen Herstellern wie Focke-Wulf, Messerschmitt, Junkers oder Heinkel den Vorzug gegeben hatte.
Viele Bücker-Flugzeuge wurden von der talentierten Werkspilotin Beate Köstlin eingeflogen und überführt. Beate begann 1937 als 18-jährige mit der Fliegerei und flog schon 3 Wochen nach Beginn der Ausbildung allein. Sie war so klein, daß sie sich für Filmaufnahmen im Cockpit verstecken konnte. Einige Film-Flugszenen z.B. mit Hans Albers als „Pilot“ wurden in Wirklichkeit von Beate Köstlin geflogen. Beate blieb bis zum Kriegsende als Berufspilotin aktiv und flog neben der Bücker Bestmann nicht nur andere Bücker-Konstruktionen sondern auch Geräte wie die Messerschmitt Bf 109 und Bf 110, die Ju 87 und die Focke Wulf FW190. 1939 heiratete sie ihren Rangsdorfer Fluglehrer Hans-Jürgen Uhse.
Zurück zur Bestmann: Unsere Bü181 war eine der letzten Originalbauten aus Rangsdorf. Später wurden noch viele Bestmänner in Tschechien und als „Heliopolis Goumhouria“ sogar in Ägypten gebaut. Unsere Bestmann wurde im Mai 2006 nach jahrzehntelanger Lagerung aus Holland importiert und befindet sich zur Zeit in der Grundüberholung. Sobald unsere Tiger-Moth fertiggestellt ist, wird alle Energie in den Wiederaufbau der Bestmann gesetzt !